Der Wechselquotient

Es ist ein Kommen und Gehen im Bundeshaus – nicht nur bei den Parlamentariern. Allein im letzten Jahr der Legislatur verzeichneten die Parlamentsdienste 90 Mutationen bei den Zutrittsberechtigten.

Durchschnittlich alle vier Tage mussten die Parlamentsdienste im Lauf des letzten Jahres einen neuen Badge für einen Gast ausstellen, einen zurückfordern oder eine Funktionsänderung eines Zutrittsberechtigten eintragen. Das ergibt eine Auswertung von Lobbywatch aufgrund der offiziellen «Liste der Zutrittsberechtigten» der vergangenen zwölf Monate. Insgesamt meldeten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in dieser Zeitspanne stolze 90 Mutationen.

Wechselkönigin Moret

Der Titel der «Wechselkönigin» gebührt der Waadtländer Freisinnigen Isabelle Moret, die sich im letzten Jahr der Legislatur vier Mal bei den Parlamentsdiensten meldete und dabei drei neue persönliche Mitarbeiter und in einem Fall eine neue Funktionsbezeichnung eines ihrer Gäste meldete.

Platz zwei teilen sich der Bündner CVP-Mann Martin Candinas (zwei neue Gäste, ein Abgang), der Aargauer SVP-Vertreter Ulrich Giezendanner (je ein Zu- und Abgang sowie eine Funktionsänderung), sein Thurgauer Parteikollege Markus Hausammann (zwei Abgänge und ein Neuzugang) und der Urner GLP-Ständerat Markus Stadler (je ein Zu- und Abgang sowie eine Funktionsänderung).

FDP wechselt am häufigsten

Nicht zuletzt dank Morets häufigen Rochaden führt die FDP auch die Rangliste der grossen Parteien bei den Wechseln an. Der «Wechselquotient» (Anzahl Wechsel gemessen an der Anzahl Parlamentarier) beträgt bei der FDP 0.46 (19 Wechsel auf 41 Parlamentsmitglieder). Die SP bringt es auf einen Quotienten von 0.3 (17 Wechsel auf 57 Parlamentarier), die SVP auf 0.28 (18 Wechsel auf 63 Parlamentarier).

Das Wechselkarussel im Bundeshaus dreht sich auch unmittelbar vor den Wahlen munter weiter. So holte etwa die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri die Zentralsekretärin des Gewerkschaftsbundes, Regula Bühlmann in die Wandelhalle. Dafür trennte sie sich von Roland Seiler (Fischereiverband) und dem PR-Mann Daniel C. Rohr. Dieser war kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil der die Fifa im Bundeshaus vertreten hatte. Einen Wechsel meldete auch der Tessiner Lega-Vertreter Lorenzo Quadri. Statt Sunrise (Roger Schaller) gewährt er nun UPC Cablecom mit deren Vertreter für «Government Affairs», Jürg Aschwanden, Zutritt zum Bundeshaus.

Drei abtretende Parlamentsmitglieder trennten sich im September nach ihrer letzten Session von ihren Gästen: Francine John-Calame (André Frutschi, persönlicher Mitarbeiter), Hans Altherr (Andrea Kind, Gast) und Hans Hess (Mike Bracher, persönlicher Mitarbeiter). Ebenfalls keinen Badge mehr besitzen Blaise Courvoisier (bisher persönlicher Mitarbeiter des Neuenburger SVP-Vertreters Raymond Clottu), und Véronique Polito (Gewerkschaftsbund, bisher Gast von Jean Christophe Schwaab (SP, VD).

Lobbywatch.ch dokumentiert jeden Monat die Wechsel bei den Gästen der Parlamentsmitglieder. Als Basis dient die Liste der Zutrittsberechtigten der Parlamentsdienste. Die im Text erwähnten Personen sind möglicherweise noch nicht über die Suchmaske von Lobbywatch.ch zu finden. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.

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